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WAHNSINN DER FREIHEIT
KLEIST oder DAS ABSOLUTE ICH


Kleists Briefe, d.h. einmal tief einatmen und durch!
Die Kleist Briefe haben von jeher irritiert, verstört, angeregt. Sie haben etwas gleichsam Unerlaubtes, Unsägliches und Unerträgliches. Während Kleists dichterisches Genie uneingeschränkte Bewunderung geniesst, empören sich die Interpreten bis heute über den Ton den er gegenüber seiner Verlobten Wilhelmine von Zenge anschlug

Diese „monströs geratenen billetdoux „zeugen von brutaler Perfektion“, in ihnen äussern sich„patriarchalisches Bewusstsein“ und „Egomanie“. „Es sind die seltsamsten Liebesbriefe der Welt“ stellte Thomas Mann fest.
Man sitzt zähneknirschend über diesem Briefwerk, ist amüsiert und bewundert die Frechheit der ständigen „Erziehungsanordnungen.“

Der zweite Teil
setzt sich mit Kleist und seinen bereits in der Kadettenanstalt geschlossenen engen Freundschaften auseinander. Seine schönsten und wohl einzigen wirklichen Liebesbriefe richten sich später an einige dieser Männerfreundschaften. Sie enthalten sehr direkte sinnliche Passagen, die keinen Zweifel an der erotischen Seite seiner Gefühle lassen. Es wird auch deutlich dass es kaum möglich war sie tatsächlich „zu leben“.

Militärische Erziehung und militärischer Dienst haben Spuren hinterlassen. Aus diesem Aspekt heraus wird dieser verrückte und radikale Kleist hier besonders beleuchtet: Misstrauen und Verrat, Liebesleidenschaft und Todessehnsucht, unbändiger Freiheitswille und das Scheitern menschlicher Hoffnungen, werden hier behandelt. In diesem Sinne werden Konflikte mit seinen Freunden unter anderem martialisch durchgeführt. Diese Freunde bilden seine Entourage.

Ein Blick auf Kleists Dramen zeigt, dass er grosse Frauenfiguren erfunden haben könnte, um aus ihrer Perspektive ein heimliches Begehren männlicher Figuren darzustellen – Penthesilea / Achill – Käthchen / Graf Wetter vom Strahl und so weiter.
Auf die Frage, was es mit der Geschlechtlichkeit auf sich habe, bezeichnet Kleist seine Schwester Ulrike als „Amphibie“, halb Mann halb Frau, ein “androgynes Ideal“ oder ein „Missgriff der Natur“.

Im dritten Teil:
die Nacht vor dem Freitod. Das Warten, Stunde um Stunde, Minute um Minute bis zur quasi selbst inszenierten Hinrichtung.
Am 21. November 1811 beendete Kleist am Wannsee sein Leben, zusammen mit Henriette Vogel, zufällige und willkommene Partnerin einer Tat, die mit scheinbarer Heiterkeit durchgeführt, aber eigentlich etwas Elendes und Trauriges hatte. Und auch nicht einer gewissen Theatralik entbehrte. Henriette Vogel, verheiratet, schwer krank, hatte keinen besonders guten Ruf. Kleist schoss Henriette Vogel durch die linke Brust ins Herz, dann sich selber durch den Mund in den Kopf.
Dieser Mord und Selbstmord machte seine vielfachen Todesdrohungen wahr.


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